
Wu wei – Lebenskunst des Tao
2. März 2006
“Es gibt ein Lernen, das uns verstehen lässt, was wir sind. Aus diesem Verständnis entsteht eine völlig neue Art des Handeln: wu wei. Das heisst handeln durch Nichteingreifen, duch Geschehenlassen. Es ist die Fähigkeit, das Steuer des Lebens jener Macht zu überlassen, die eine Dimension von uns selbst ist und die Laotse einst das “Tao” genannt hat.” - Theo Fischer
Gedanken zum wunderbaren Buch “Wu wei – die Lebenskunst des Tao” von Theo Fischer.
- Oft leben wir in der Vergangenheit – “die Besprechung von heute morgen hat mich geärgert” oder “hätte ich doch nur nicht so forsch reagiert” oder “hätte ich ihm lieber gar nichts sagen sollen?”
- Oft leben wir in der Zukunft - “hoffentlich wird es mit dem Vortrag morgen klappen” oder “wie wird sie wohl auf meine Frage reagieren?” oder “wird er wohl auf den Vorschlag eingehen?”
- Doch selten (oder gar nie) Leben wir in der Gegenwart – im Hier und Jetzt.
Wir nehmen den Augenblick, in dem wir gerade Leben, oft gar nicht wahr. Im Gegensatz dazu die kleinen Kinder. Faszinierend wie diese sich weder um das Passierte kümmern (eine Sekunde später haben sie schon wieder vergessen, dass sie eigentlich traurig waren), noch um das Kommende (welches kleine Kind hat schon Angst vor einem Besuch beim Arzt?). Sie leben im Hier und Jetzt. Nur das Aktuelle ist ihnen gerade wichtig.
Wenn Erwachsense kaum in der Gegenwart leben können, jedoch Kinder dies unbewusst machen, dann haben wir das Leben im Hier und Jetzt ganz einfach verlernt?! Dazu kommt, dass wir ein selbstgemachtes Denkmodell haben - wir sind voreingenommen. Durch unseren Verdrängungsmechanismus haben wir eine verzehrte Wirklichkeit. Wir müssen auch lernen, Wissen wieder zu vergessen. Das ist das Kernthema des Buches – Wu Wei bedeutet Nichtstun/Nichthandeln – dies entspricht der Erleuchtung des Zen-Buddhismus. Dabei ist es notwendig sich innerlich von allen Bindungen zu lösen. Das Leben soll aus der geistigen Mitte heraus geschehen – Hier und Jetzt.
Leben im Hier und Jetzt – „passt dieser Artikel den überhaupt zu meinem Blog und hätte ich ihn tatsächlich schreiben sollen?“ – „Und morgen sollte ich noch endlich den versprochenen Artikel zum Thema ‚Social Networking’ schreiben“ – sieh an und da bin ich schon wieder in der „Vergegenwartheit“.
Denjenigen Bloglesern, die es besser machen wollen kann ich das Buch nur wärmstens empfehlen – ein angenehmer Gedanke, den vielen Dingen einfach freien Lauf zu lassen.
“Die Antwort auf alle Probleme unseres Daseins ist unfassbar einfach”
Ja, dies könnte ein allgemeines Problem des modernen Menschen sein. Wir haben so viele Informationen und wissen, wie diese wirken, dass wir uns viele Gedanken darüber machen, wie die Informationen über uns selber auf andere wirken – und vergessen dabei vor lauter Gedanken über die Vergangenheit und Grübeln über die Zukunft, die Gegenwart zu leben!
Wu-Wie erleben im Tao
Ja, wenn ich einmal wieder so richtig in meiner eigenen kleinen begrenzten Welt verschwundenen bin, im Malstrom zwischen Vergangenheit und Zukunft, dann muss ich mich oft ganz gewaltsam wieder hineinziehen ins Hier und Jetzt.
Manchmal nenne ich es dann mit einer Spur von Humor, ich gehe in die „Draufsicht“, verbunden mit allem, folgend dem Strom des einen Geistes.
Dann bin ich ganz gelöst im Tao, spüre und erlebe Wu-Wie. Alles ist unwichtig und wiederum wichtig: Angekommen…..